Pasqua
Ostern in Italien feiert man wie? Natürlich mit der Familie. Wenn man aus dem Süden kommt, wie zum Beispiel meine Zimmergenossin, dann können das auch mal locker 30 Personen werden. Das Wochenende vor Ostern fragte sie mich, ob wir zusammen zum shoppen gehen könnten. Sie wollte sich gerne etwas für Ostern kaufen. Ich nahm an, weil sie vielleicht etwas Geld extra bekommen hatte. In der Umkleide wurde mir dann klar, dass sie etwas schickes suchte, dass sie Sonntags zum Essen mit der Familie anziehen kann. Als sie mir später die Fotos vom Wochenende zeigte, verstand ich auch warum. Hier wird Ostern noch ein bisschen größer gefeiert als bei uns.
Mir gefallen vorallem die riesigen Schokoladeneier mit Überraschung drin. Ungefähr wie Kinderüberraschungseier, nur 10 mal größer. In der Bar nebenan konnte man Lose ziehen und ein Schokoei gewinnen, das so groß war, dass ich die Überraschung hätte sein können.
Da ich nun mehr oder weniger allein hier war, fiel das große Fest für mich aus. Dafür kochte ich für meine andere Mitbewohnerin und mich ein bisschen deutsch. Sie ist total verliebt in alles, was in irgendeiner Weise Suppen- oder Eintopfartig ist. Unser nächstes gemeinsames Projekt werden dann aber wohl Brezeln. Brezeln und Bier. So stellt sie sich das vor für eine ordentliche Deutsche.
Überhaupt werde ich von Klischees nur so überrannt. Wenn ich jemandem vorgestellt werde antworten 50% darauf sofort mit “Kartoffel”. Beim Kochen wollen sie mir ständig erklären, wie man Pasta richtig macht. ( Bitte nicht die Pasta in kaltes Wasser tun und dann zum kochen bringen. Falls ihr das noch nicht wusstet.) Und überhaupt ist es eine Unverschämtheit, dass ich nicht blond bin und literweise Bier trinken kann!
Jetzt warten wir hier auf den Sommer. Für mich ist es jetzt schon schön warm und meine Lieblingseisdiele habe ich auch schon gefunden. Außerdem kenne ich mich schon ziemlich gut aus und könnte ohne Schwierigkeiten den Touristenführer machen. Mein Italienisch ist so gut, dass nicht mehr jedem sofort auffällt, dass ich nicht von hier bin. Und meine Professorin verstehe ich auch schon besser.
Leider habe ich in den letzten Wochen keine Fotos gemacht, kommen aber. Versprochen!
Bis dahin! Kommentiert, kritisiert, fragt!
“Welcome to Bologna!”
Da bin ich nun. In Italien bei strahlendem Sonnenschein, während sich in Deutschland heute alle über Neuschnee ärgern. Zugegeben, ein bisschen Schadenfroh bin ich ja schon. Aber nicht zu sehr.
Ich bin jetzt knapp fünf Wochen hier und ganz langsam regeln sich die Dinge. Geduld sollte man allerdings mitbringen, dafür einige andere Dinge einfach über Bord werfen. Wenn dir gesagt wird:”Wir treffen uns um 19:00 Uhr.” Sei eine halbe Stunde später da. Wenn dir gesagt wird: “Das ist unmöglich.” Frag nochmal nach. Und nochmal. Auch meine Jeanshosen hätte ich zu Hause lassen können, die sind diesen Winter nämlich nicht angesagt. Dafür scheint Frieren aber trend zu sein.
Aber mal abgesehen von einer fürchterlich nervigen Bürokratie und der Aufopferung für gutes Aussehen, kann man die Italiener wirklich lieb haben. Ständig werde ich quasi zum Essen gezwungen und habe schon unzählige Interviews zu meiner Person gegeben. Und dass ich dabei nach jedem dritten Wort einen Fehler mache, ist auch nicht schlimm.
Bologna selbst ist wirklich toll. Nicht nur wegen der vielen Bogengänge und der Mortadella. Sondern weil Bologna zum Studieren gemacht ist. Hier trifft man auf Studenten aus aller Welt, auf der Piazza werden alle erdenklichen Sprachen gleichzeitig gesprochen und für alle ist das völlig normal.
Ich fühle mich hier jedenfalls sehr wohl und werde nicht ganz so schnell wieder nach Hause kommen.
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